Grenzen und Idiome - Cover

Grenzen und Idiome

Rembrandts Selbstportrait datiert zwischen 1663 und 1665

Bei dem hier vorgestellten Buch handelt es sich nicht um eine vertraute Monographie mit einsinniger Darstellungsweise. Es geht um ein mehrschichtig angelegtes Textgebilde. Enthalten sind kunstgeschichtliche Bezüge, kurze Versuche, in denen Positionen einer Bildbetrachtung ausprobiert werden, weiter ‚freie‘ Zitate und Skizzen aus dem Feld ästhetischer Theoriebildung, Überlegungen zur Sprachverwendung über Kunst, Interview- und Gesprächsaufzeichnungen. Es geht um sprachliche Äußerungen in ihren Grenzen und Einschränkungen, die weniger von außen benannt als gezeigt und vorgeführt werden. Der philosophish-ästhetische Versuch bringt die teils paradoxen Idiome verschiedener Theoriefelder in Berührung mit offenen literarischen Mitteln. Die neue Form, die virtuell das kompakte MediumBuch verläßt, eine Montage und graphische Bearbeitung verschiedener Textebenen, markiert über ein Wie ein Was, einen komplexen und unabgeschlossenen Umgang mit dem Werk und den Betrachtungsweisen. Die strikte Reflexion der Mittel ästhetischer Diskurse verlangte letztlich eine Visualisierung von Grenzen sprachlicher ästhetischer Kommunikation. Der publizistische Kontext wurde der des Buches als ‚Objekt‘. In den Editionen des „Salon Verlages“ steht das ‚Objekt‘ Buch und das Künstlerbuch im Vordergrund. Das Buch ist besonders durch Rembrandts spätes Selbstbildnis angeregt. Es hätte auch durch andere Bilder anderer Zeiten angeregt werden können. So ist das Buch exemplarisch und kontingent auf eine besondere Weise. Die Auswahl des älteren und zu seiner Zeit und noch immer außergewöhnlichen Werkes hat gerade zu jener zeitgenössischen Form der Betrachtung geführt. Mit den beteiligten Zeitachsen ergeben sich oft demontierende Verhältnisse zwischen den Betrachtungsereignissen und den reichhaltigen Traditionslinien einer Kunstgeschichtsschreibung. Die Museumskontexte werden dabei mehr und mehr entstarrt in einem Changieren, das eine Betrachtung – und eine Betrachtung der Betrachtung – des Neueren durch eine Betrachtung des Älteren mit sich bringt und umgekehrt. Der Gang zu den zeitgenössischen Exponaten des „Museum Ludwig“ führte oft zum Saal mit Rembrandts Bild und wieder zurück. Das Buch soll zu Erfahrungen eines Flanierens zwischen Bild und Wort einladen, die nicht eine scheinbare sichere und kohärente rückblickende Kategorisierung zu einer scheinbar sicheren prospektiven werden lassen.