präsentiert „Blaise Cendrars – Gedichte I“

Edition Ex Libris Nr. 30

Vor mehr als dreißig Jahren nahm ich unweit meiner Berliner Hinterhofwohnung das Buch Cendrars Gedichte aus dem Regal meiner damaligen Lieblingsbuchhandlung Krakehler. Warum ich es getan habe, ist mir entfallen, doch ich sehe es noch vor mir, Bücherregal, Hand und Buch. Gerade ein paar Jahre war ich da aus einem niedersächsischen Dorf nach Berlin gezogen, war junger Kunststudent. Die große Stadt, eine Menge Wünsche, mächtige Gefühle und Träume.

Cendrars Reimworte des Hymnus Ostern in New York trafen mich mit voller Wucht.

Sein flehentliches Selbstzeugnis gesprochen mit den Reimen der Kindheit. Choräle von Bach und Händel klingen mit, schmerzliche Ferne der Erlösung. Weltgefühl und Alleinsein, so sehr empfänglich war ich dafür.

Cendrars hat den Zauber des Reims nach Ostern in New York verlassen. Auf einem zwei Meter langen Faltblatt schrieb er seine Prosa vom Transsibirischen Express. Karge Sprache Zeile um Zeile, brüchig wie monumental seine Worte.

Alle paar Jahre lese ich sein Ostern in New York. Es berührt mich immer noch. Manchmal kullern Tränen.

Im Februar 2016