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Klaus G. Gaidas von hellen Dispersionsfarben und materieller Leichtigkeit geprägte dreizehnteilige Gemäldeserie „Luftkampf“ bezieht sich auf eine historische Schwarzweißfotografie, die einen nächtlichen Luftangriff auf die Stadt Hamburg zeigt. Dieses Foto findet sich unter anderem als Bilddokument in W.G. Sebalds 1999 erschienen Traktat „Literatur und Luftkrieg“, in dem der im Jahr 2001 verstorbene Autor die Frage aufwarf, wie literarisch mit dem von den Schriftstellern der Nachkriegszeit zu wenig beachteten Phänomen des Luftkriegs umgegangen werden kann. Gaida hat das Foto bei seiner Verwandlung zu großformatigen und repräsentativen Tafelbildern einer mehrfachen Mediatisierung unterzogen. Der Luftangriff als solcher ist ansatzweise nur zu erkennen in der an der Wand hängenden 180x200 Zentimeter großen Tafel, die das s/w Foto lediglich vergrößert und farblich „überbelichtet“ wiedergibt. Die zwölf dreifarbigen, davon sechs als Hochformat an der Längswand der Galerie neben einander gereihten, je 140x103,5 Zentimeter großen Bilder dagegen lösen das Sujet in zunehmender Drehbewegung auf. Die Unterscheidung zwischen dem neuen Bild und dem aus seiner Vertikal-Horizontal-Ordnung gebrachten Ausgangsbild bleibt an den unstrukturierten türkisfarbenen Farbflächen ablesbar und wird auf einer Metaebene als Bild- im Bild-Problem thematisch, das in einer weiteren Stufe der Abstraktion und Perspektivierung noch einmal vertieft wird, indem Gaida dieses Bild im Bild auf 170x170 Zentimeter große an die Wand gemalte anthrazitfarbene an den Ecken abgerundete Quadrate (Dia Anspielung) applizierte. In der künstlerischen Auseinandersetzung, der Verschachtelung von Urbild und Abbild, von Dokument und Artefakt, überlagert der Zyklus mehrere Diskurse – kommt noch hinzu, dass das zugrunde liegende Luftkampffoto je nach Rezeptionsbedingung und Kontextualisierung ebenso als Bild der Zerstörung und der Abschreckung gelesen werden kann wie auch als Propagandamittel oder einfach als formalästhetisches Ereignis. Gaidas Bilder-Serie reflektiert so am Paradigma der Transmutation einer publizierten historischen Luftkampfszene zu zunehmend autonomer werdenden bildlichen Manifesten nicht nur die geschichtlichen, anthropologischen, ethischen und ästhetischen Dimensionen von Bildern, sondern auch die Frage der Wechselwirkung zwischen privaten und öffentlichen und zwischen inneren und äußeren Bildern. Sie reagiert so auf den „iconic turn“, auf die Bilderflut und die allgemeine „Verbilderung“ in der Medien- und Informationsgesellschaft, die ein Nachdenken über das Wesen von Bildern und ein neues Situieren der Malerei notwendig machen. Gaida folgt mit seinem Zyklus – im Medium der Malerei – paradoxerweise der Einladung Sebalds, sich mit dem Luftkrieg zu befassen, ohne es wirklich zu tun. Denn in Bezug auf den historischen Luftkampf fördert sie nichts: nicht Erinnern, nicht Empathie, nicht sehendes Erkennen. Der „Luftkrieg“-Zyklus ist ein Akt künstlerischer Weltaneignung, ein aufgeklärtes Glasperlenspiel, das das zugrunde liegende historische Sujet – bewusst politisch inkorrekt, aber künstlerisch authentisch – auflöst. (Martin Seidel) Auflage von 35 signierten (Gaida und Schultheis) und nummerierten Exemplaren Text von Jo Schultheis 30 S. mit 18 farbigen Abbildungen, Broschur mit Schutzumschlag, Format: 28,8 x 20,6 cm
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| ARTISTS BOOKS – ÉDITION SÉPARÉE | |||||||||
Es erscheint eine Vorzugsausgabe von 50 Exemplaren.
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